Sillage, Projektion, Longevity: Parfum-Begriffe verständlich erklärt
Sillage, Projektion, Longevity, Akkord, Flanker, Decant: Die 20 wichtigsten Begriffe aus der Duftwelt – kurz definiert, mit Beispielen und ohne Fachchinesisch.

Wer sich in Foren oder Bewertungen über Düfte einliest, stößt nach zwei Sätzen auf Begriffe, die niemand erklärt. Sillage, Projektion, Longevity, Akkord, Flanker. Das meiste davon ist simpel – wenn es einmal jemand sauber definiert. Hier ist das Glossar, geordnet nach Themen statt nach Alphabet.
Drei Begriffe werden am häufigsten verwechselt: Projektion ist der Radius, in dem dein Duft wahrgenommen wird, solange du da bist. Sillage ist die Spur, die bleibt, wenn du gegangen bist. Longevity ist die Dauer in Stunden. Die drei sind voneinander unabhängig.
- Projektion = Radius jetzt
- Sillage = Spur danach
- Longevity = Dauer in Stunden
- Konzentration steuert vor allem die Dauer, Rohstoffe die Reichweite
Wie ein Duft wirkt
Sillage
Französisch für Kielwasser – die Spur, die ein Schiff hinterlässt. Gemeint ist der Duft, den andere noch wahrnehmen, nachdem du weitergegangen bist. Starke Sillage kommt meist von Moschus-, Amber- und Harznoten. Sie ist kein Qualitätsmerkmal, sondern eine Eigenschaft: In einem vollen Aufzug ist wenig Sillage die freundlichere Wahl.
Projektion
Der Radius, in dem dein Duft wahrgenommen wird, solange du anwesend bist. Ein Duft mit hoher Projektion füllt einen Raum; einer mit niedriger ist erst auf Armlänge spürbar. Beides kann gewollt sein – ein Abendduft darf projizieren, ein Büroduft sollte es nicht.
Longevity oder Haltbarkeit
Die Dauer in Stunden, die ein Duft auf der Haut wahrnehmbar bleibt. Sie hängt an Konzentration, Rohstoffen, Hauttyp und Auftragetechnik. Richtwerte und die wichtigsten Stellschrauben stehen in unserem Beitrag Wie lange hält Parfum?.
Skin Scent
Die Phase, in der ein Duft so nah am Körper liegt, dass man ihn nur noch aus wenigen Zentimetern riecht. Fast jeder Duft endet dort. Manche sind von Anfang an als Skin Scent komponiert – das ist Absicht, kein Mangel.
Wie ein Duft aufgebaut ist
Duftpyramide
Die Darstellung eines Dufts in drei Phasen: Kopfnote, Herznote, Basisnote. Sie folgt dem Gewicht der Moleküle – leichte verdunsten zuerst. Ausführlich erklärt in Duftnoten verstehen.
Akkord
Mehrere Rohstoffe, die zusammen einen neuen Eindruck ergeben, so wie mehrere Töne einen Akkord bilden. „Amber“ ist kein Rohstoff, sondern ein Akkord – klassisch aus Labdanum, Vanillin und Benzoe. Auch „Leder“ und „Meeresbrise“ sind Akkorde, keine Substanzen.
Duftfamilie
Die Kategorie, der eine Komposition zugeordnet wird: frisch, aromatisch, holzig, würzig, orientalisch, ledrig. Welche zu wem passt, behandelt unsere Anleitung Welches Parfum passt zu mir?.
Gourmand
Eine Untergruppe der orientalischen Familie, die essbare Noten in den Vordergrund stellt: Vanille, Karamell, Schokolade, Kaffee, Honig. Gourmands polarisieren stärker als jede andere Richtung.
Fougère
Französisch für Farn. Eine der ältesten Herrenduft-Strukturen: Lavendel, Eichenmoos und Coumarin. Wenn dir ein Duft „klassisch männlich, wie ein guter Friseursalon“ vorkommt, riechst du meist eine Fougère.
Chypre
Benannt nach Zypern. Struktur aus Bergamotte, Eichenmoos, Labdanum und Patschuli – herb, erdig, elegant. Moderne Chypres arbeiten wegen Beschränkungen bei Eichenmoos mit Ersatzstoffen.
Wie ein Duft verkauft wird
Flanker
Eine Abwandlung eines bestehenden Dufts unter demselben Namen mit Zusatz – Intense, Extreme, Elixir, Sport. Flanker können deutlich anders riechen als das Original, obwohl der Name es nicht vermuten lässt.
Reformulierung
Die Überarbeitung einer Rezeptur, meist wegen veränderter Rohstoffverfügbarkeit oder neuer Beschränkungen. Der Name bleibt, der Duft ändert sich – der häufigste Grund für den Satz „früher roch der aber anders“.
Decant und Abfüllung
Originalduft, in ein kleines Fläschchen umgefüllt. Legal und die beste Möglichkeit, einen Duft über mehrere Tage zu testen, bevor man einen ganzen Flakon kauft.
Tester
Originalware in schlichter Verpackung, gedacht für den Handel. Inhaltlich identisch mit der Verkaufsversion. Nicht zu verwechseln mit einer Fälschung – die Unterschiede stehen unter Gefälschtes Parfum erkennen.
Dupe oder Duftzwilling
Ein Duft, der einem Original bewusst nachempfunden ist, aber unter eigenem Namen verkauft wird. Was davon zu halten ist, behandelt der Beitrag Parfum-Dupes und Duftzwillinge.
Technik und Inhaltsstoffe
Konzentration
Der Anteil an Duftöl: Eau de Cologne, Eau de Toilette, Eau de Parfum, Extrait. Die Unterschiede und was sie für dich bedeuten, stehen im Vergleich Eau de Parfum oder Eau de Toilette.
INCI
Die international einheitliche Nomenklatur für Kosmetikinhaltsstoffe. Jede in der EU verkaufte Packung muss die Zutaten in dieser Form auflisten, absteigend nach Menge.
Deklarationspflichtige Duftstoffe
Rund zwei Dutzend Stoffe wie Linalool, Limonene, Citral oder Coumarin, die ab einer bestimmten Konzentration namentlich genannt werden müssen, weil sie bei empfindlichen Menschen Allergien auslösen können. Ihr Auftauchen ist normal und kein Qualitätsmangel – sie stecken in vielen natürlichen Ölen.
IFRA
Der internationale Verband der Duftstoffindustrie. Seine Standards legen fest, welche Rohstoffe in welcher Höchstmenge eingesetzt werden dürfen. Sie sind der häufigste Grund für Reformulierungen.
Layering
Das Kombinieren mehrerer Duftprodukte derselben Richtung – Duschgel, Lotion, Parfum. Verlängert die Wirkung, wenn die Produkte zusammenpassen, und arbeitet gegen den Duft, wenn nicht.
Olfaktorische Adaption
Die Gewöhnung des Geruchssinns an einen gleichbleibenden Reiz. Nach 20 bis 30 Minuten nimmst du deinen eigenen Duft kaum noch wahr – andere schon. Der häufigste Grund für Überdosierung. Was daraus folgt, steht in den sieben Fehlern beim Auftragen.
Und in der Praxis?
Am Beispiel Braise #1: Der Duft hat mittlere Projektion, moderate Sillage und hohe Longevity. Übersetzt heißt das – er füllt keinen Raum, aber er bleibt. Auf gepflegter Haut trägt die Basis aus Vanille, Tonkabohne, Tabak, Sandelholz und Amber durch den ganzen Abend, während der Radius nach den ersten Stunden auf Armlänge schrumpft.
Das ist eine bewusste Entscheidung: ein Duft für Nähe, nicht für Aufmerksamkeit.
Häufige Fragen
Was bedeutet Sillage?
Sillage ist französisch für Kielwasser und bezeichnet die Duftspur, die eine Person hinterlässt – also das, was jemand noch riecht, nachdem du den Raum verlassen hast. Sillage hängt vor allem von den Rohstoffen ab, besonders von Moschus-, Amber- und Harznoten, weniger von der Konzentration.
Was ist der Unterschied zwischen Sillage und Projektion?
Projektion beschreibt, wie weit ein Duft in dem Moment reicht, in dem du anwesend bist – also der Radius um dich herum. Sillage ist die Spur, die bleibt, wenn du weitergegangen bist. Ein Duft kann stark projizieren und trotzdem wenig Sillage haben.
Was bedeutet Longevity?
Die Haltbarkeit eines Dufts auf der Haut, gemessen in Stunden. Ein Eau de Parfum erreicht typischerweise fünf bis acht Stunden. Longevity ist unabhängig von Sillage: Ein Duft kann lange halten und dabei sehr nah am Körper bleiben.
Was ist ein Akkord in der Parfümerie?
Eine Kombination mehrerer Rohstoffe, die zusammen einen neuen, eigenständigen Geruchseindruck ergeben – vergleichbar mit einem Akkord in der Musik. Der Begriff Amber bezeichnet zum Beispiel keinen einzelnen Rohstoff, sondern einen Akkord aus Labdanum, Vanillin und Benzoe.
Was ist ein Decant?
Eine Abfüllung: Originalduft, der aus dem großen Flakon in ein kleines Sprühfläschchen umgefüllt wurde. Decants sind legal und eine günstige Möglichkeit, einen Duft über mehrere Tage zu testen, bevor man einen ganzen Flakon kauft.
Was ist ein Flanker?
Eine Abwandlung eines bestehenden Dufts, die unter demselben Namen mit Zusatz erscheint – etwa als Intense-, Extreme- oder Sport-Version. Flanker teilen meist die Grundidee des Originals, unterscheiden sich aber in Konzentration und Schwerpunkt deutlich.






